🌞 Der vergessene Kaiser Elagabalus und sein Sonnenkult

In der langen Reihe römischer Kaiser sticht einer durch seine Exzentrik, Dekadenz und kulturellen Umbrüche besonders hervor: Elagabalus. Zwischen 218 und 222 n. Chr. herrschte dieser junge Kaiser, dessen Name untrennbar mit seinem Versuch verbunden ist, den römischen Götterhimmel zu revolutionieren. Mit dem Import des Elagabal-Kultes, einer Sonnengott-Verehrung aus seiner Heimat Syrien, zog er sich den Hass der römischen Elite zu und wurde zu einer der umstrittensten Gestalten der römischen Geschichte.

Doch wer war Elagabalus wirklich? Und warum endete sein Versuch, Rom religiös zu transformieren, in Verrat und Mord? Hier ist seine faszinierende, wenn auch tragische Geschichte.


🌍 Wer war Elagabalus?

Ein syrischer Prinz

Elagabalus wurde 204 n. Chr. in Emesa (heutiges Homs, Syrien) geboren. Sein ursprünglicher Name war Varius Avitus Bassianus, und er stammte aus einer mächtigen priesterlichen Familie.

  • Hoherpriester des Elagabal: Schon als Kind wurde er Priester des Sonnengottes Elagabal, der in Emesa als oberste Gottheit verehrt wurde.
  • Die Verbindung zu Rom: Elagabalus’ Großmutter Julia Maesa, die Schwester der einflussreichen Kaiserin Julia Domna, nutzte ihre Macht, um ihren Enkel nach dem Tod des Kaisers Caracalla als legitimen Thronfolger zu präsentieren.

Der Aufstieg zur Macht

Im Jahr 218 n. Chr. wurde Elagabalus im Alter von nur 14 Jahren durch eine Intrige und den Verrat römischer Soldaten zum Kaiser ausgerufen. Er besiegte den amtierenden Kaiser Macrinus und zog nach Rom.


☀️ Der Sonnenkult des Elagabal

Ein Gott aus Syrien

Elagabalus brachte den Kult des Elagabal, einer Sonnengottheit, die in Emesa als heilige schwarze Meteoritenform verehrt wurde, nach Rom.

  • Der Kult: Elagabal wurde als der höchste Gott angesehen, der alle anderen Gottheiten überstrahlte. Der Kaiser selbst fungierte als dessen Priester.
  • Das Symbol: Der heilige Stein des Elagabal wurde nach Rom gebracht und in einem prächtigen Tempel auf dem Palatin aufgestellt.

Religiöse Revolution

Elagabalus wollte Rom religiös umgestalten und den Elagabal-Kult als zentralen Glauben etablieren:

  • Ein neuer Hauptgott: Er versuchte, Elagabal als oberste Gottheit über den traditionellen römischen Göttern wie Jupiter zu positionieren.
  • Synkretismus: Elagabalus verband Elemente verschiedener Religionen. Er ließ sogar den Gott Baal und die römische Göttin Minerva mit Elagabal verschmelzen, um seine Akzeptanz zu fördern.

👑 Ein exzentrischer Kaiser

Skandale und Dekadenz

Elagabalus sorgte durch seinen Lebensstil und sein Verhalten für Empörung in Rom:

  • Hochzeiten: Er heiratete mehrmals, darunter eine vestalische Jungfrau, was als schwerer Sakrileg galt.
  • Exzesse: Der Kaiser war berüchtigt für extravagante Feste, bei denen er mit Gold bestreute Speisen servieren ließ.
  • Geschlechteridentität: Berichte von antiken Historikern wie Cassius Dio und Herodian beschreiben Elagabalus als jemanden, der Geschlechterrollen überschritt und angeblich eine Geschlechtsumwandlung anstrebte – ein Verhalten, das in der römischen Kultur für Unruhe sorgte.

⚔️ Der Fall des Elagabalus

Wachsende Opposition

Elagabalus’ religiöse Reformen und sein Verhalten führten zu einer wachsenden Feindschaft der römischen Elite, insbesondere des Senats und des Militärs.

  • Machtverlust: Seine Großmutter Julia Maesa, die ihn an die Macht gebracht hatte, wandte sich von ihm ab und unterstützte stattdessen seinen Cousin Severus Alexander.
  • Ein tödlicher Verrat: Im Jahr 222 n. Chr. wurde Elagabalus im Alter von nur 18 Jahren von der Prätorianergarde ermordet. Sein Leichnam wurde in den Tiber geworfen.

🌟 Das Erbe des Elagabal-Kults

Nach dem Tod des Elagabalus wurde sein Kult in Rom aufgegeben, und der heilige Stein des Elagabal kehrte nach Emesa zurück. Doch sein Versuch, Rom religiös zu revolutionieren, hinterließ Spuren:

  • Synkretismus: Der Einfluss orientalischer Kulte auf die römische Religion setzte sich fort, insbesondere mit dem Aufstieg des Sol Invictus, eines Sonnengottes, der später unter Kaiser Aurelian (270–275 n. Chr.) zum Staatskult wurde.
  • Ein faszinierender Kaiser: Elagabalus bleibt eine der umstrittensten und komplexesten Figuren der römischen Geschichte, ein Symbol für kulturellen Wandel und persönliche Exzentrik.

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