🗺️ Die Entstehung moderner Grenzen: Warum Syrien Teile an den Libanon verlor

Die Trennung Syriens und des Libanon sowie die Gebietsverluste Syriens zugunsten des neu geschaffenen Staates Libanon sind eng mit der französischen Mandatspolitik nach dem Ersten Weltkrieg verbunden. Diese territorialen Entscheidungen spiegelten Frankreichs geopolitische Interessen wider, schürten jedoch Spannungen zwischen den beiden Nachbarstaaten, die bis heute nachwirken.


🌍 Der historische Kontext

Das Ende des Osmanischen Reiches

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg wurde Syrien Teil des französischen Mandats, das vom Völkerbund auf der Grundlage des Sykes-Picot-Abkommens von 1916 eingerichtet wurde.

  • Syrien umfasste damals ein Gebiet, das sowohl das heutige Syrien als auch den Libanon einschloss.
  • Die Region war ethnisch und religiös vielfältig, mit einer Mischung aus sunnitischen und schiitischen Muslimen, Drusen, Christen und anderen Minderheiten.

Die Interessen Frankreichs

Frankreich verfolgte in der Region mehrere Ziele:

  1. Stärkung der Kontrolle: Durch die Schaffung eines separaten Staates Libanon sollte die Macht Syriens geschwächt und Frankreichs Einfluss gefestigt werden.
  2. Schutz der Christen: Frankreich betrachtete sich als Schutzmacht der maronitischen Christen im Libanon und wollte einen separaten Staat schaffen, in dem diese Gemeinschaft dominieren konnte.

🇱🇧 Die Gründung des Großlibanon (1920)

Das Mandat und die Grenzziehung

Am 1. September 1920 proklamierte Frankreich offiziell den Staat Großlibanon (Grand Liban) mit der Hauptstadt Beirut.

  • Dieser neue Staat wurde größer als das historische Gebiet des Libanongebirges und umfasste auch angrenzende Regionen, die zuvor Teil Syriens waren.
  • Wichtige hinzugefügte Gebiete waren:
    • Bekaa-Ebene: Eine landwirtschaftlich reiche Region.
    • Tripoli: Eine wichtige Hafenstadt.
    • Sidon und Tyros: Küstengebiete mit wirtschaftlicher Bedeutung.

Frankreichs Strategie

Frankreich argumentierte, dass diese Gebiete notwendig seien, um den neuen Staat wirtschaftlich lebensfähig zu machen. Ohne die fruchtbare Bekaa-Ebene und die Hafenstädte hätte Libanon Schwierigkeiten gehabt, sich wirtschaftlich zu entwickeln.


🌟 Syrische Reaktionen und Verluste

Widerstand gegen die Abspaltung

Syrische Nationalisten lehnten die Abspaltung des Libanon entschieden ab:

  • Sie betrachteten die hinzugefügten Gebiete als historisch syrisches Territorium.
  • Viele Syrer sahen die Gründung des Großlibanon als Versuch Frankreichs, Syrien zu schwächen und seine politische Einheit zu zerstören.

Verlust von Ressourcen und Macht

  • Wirtschaftliche Bedeutung: Syrien verlor fruchtbare landwirtschaftliche Flächen in der Bekaa-Ebene sowie wichtige Häfen wie Tripoli, die für den Handel entscheidend waren.
  • Politische Auswirkungen: Die Abspaltung des Libanon verringerte die Bevölkerungs- und Machtbasis Syriens und erschwerte die Bildung eines vereinten Nationalstaates.

🌍 Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Syrien und Libanon

Spannungen zwischen den beiden Staaten

Die von Frankreich gezogenen Grenzen schufen langfristige Spannungen zwischen Syrien und dem Libanon:

  • Syrische Forderungen: Viele syrische Nationalisten hielten die Gebiete für rechtsmäßig syrisch und lehnten die Anerkennung des Libanon als unabhängigen Staat lange ab.
  • Libanesische Identität: Gleichzeitig entwickelten die maronitischen Christen und andere Gruppen im Libanon eine eigenständige nationale Identität, die sich gegen eine Rückkehr zu Syrien richtete.

Politische und wirtschaftliche Folgen

Die künstliche Grenzziehung schuf wirtschaftliche und politische Probleme:

  • Der Libanon war wirtschaftlich eng mit Syrien verbunden, doch die politischen Spannungen behinderten die Kooperation.
  • Grenzkonflikte und rivalisierende nationale Ansprüche führten zu wiederholten Spannungen, insbesondere in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

🕊️ Langfristige Bedeutung

Die Gebietsverluste Syriens an den Libanon sind ein Beispiel für die Folgen kolonialer Grenzziehungen:

  • Willkürliche Grenzen: Die von den Kolonialmächten gezogenen Grenzen berücksichtigten weder historische noch ethnische Zusammenhänge und legten den Grundstein für Spannungen in der Region.
  • Unabhängigkeitsbewegungen: Die Trennung von Syrien und Libanon spielte eine wichtige Rolle im syrischen Widerstand gegen die französische Mandatspolitik und stärkte den arabischen Nationalismus.

🕰️ Fazit

Die Gebietsverluste Syriens an den Libanon unter französischer Mandatsverwaltung spiegelten Frankreichs koloniale Interessen wider und wurden ohne Rücksicht auf die syrischen Bestrebungen nach nationaler Einheit vorgenommen. Diese Grenzziehung schuf langfristige Spannungen zwischen den beiden Staaten und trug dazu bei, die politische Landschaft des Nahen Ostens nachhaltig zu prägen.

📚 Für die Geschichtsfans unter euch: Wenn euch dieses Thema begeistert, könnt ihr hier spannende Bücher zum Thema finden!

Hinterlasse einen Kommentar